BOCKSGESÄNGE

Der “Bocksgesang”: τραγῳδία (tragodía), von τράγος (trágos: Bock) und ᾠδή (odé: Gesang) ist der “Gesang der als Böcke verkleideten Sänger“ oder der “Gesang anlässlich eines Bocksopfers“.

Columella,  De re rustica 5, 8

"Olea prima omnium arborum est".

Der Ölbaum ist der erste aller Bäume.

3000 – 5000 Jahre alter Olivenbaum in Ano Vouves, Kreta / Foto: Martin Kölle

Odysseas Elytis, TO AXION ESTI – Gepriesen sei. Aus dem ersten Teil: “Die Genesis”

Zweisprachige Ausgabe
Aus dem Griechischen übersetzt und mit Nachworten versehen
Neu durchgesehen und bearbeitet von Günter Dietz
2001, 2. Aufl. 2002, Ln., 208 S.

Καὶ πολλὰ τὰ λιόδεντρα
     ποὺ νὰ κρησάρουν στὰ χέρια τους τὸ φῶς
     κι ἐλαφρὸ ν᾿ ἁπλώνεται στὸν ὕπνο σου
καὶ πολλὰ τὰ τζιτζίκια
     ποὺ νὰ μὴν τὰ νιώθεις
     ὅπως δὲ νιώθεις τὸ σφυγμὸ στὸ χέρι σου …

Und zahllos die Ölbäume
     die mit ihren Händen das Licht sieben
     dass es sich unbeschwert ausbreite in deinem Schlaf
ein Heer von Zikaden
     und du siehst sie nicht
     wie du den Puls deiner Hand nicht spürst …

Übersetzung: Günter Dietz


Für die freundliche Genehmigung zum Abdruck danken wir dem Elfenbein-Verlag Berlin.

Olivenbäume auf Kreta
(Foto: Martin Kölle)

Olivenbäume auf Kreta
(Foto: Martin Kölle)

Sophokles, Ödipus auf Kolonos. 694 ff.

Aquarell von Dr. Renate Marzolff (2019): Olivenbaum in Ano Vouves (Kreta)


Es ist (…)
der Baum – der Mensch legt nicht Hand an ihn
und er wächst wild – den Feinden Furcht einflößend,
der üppig in diesem Lande gedeiht, blau schimmernd,
immer sprossend, der Ölbaum; an den wird kein Junger
noch Alter vernichtend die Hand legen,
denn das immer  umherblickende Augenrund
des ölbaumhegenden Zeus wird ihn beschützen
und die eulenäugige Athene.

Übersetzung: Michael Hornberger und Martin Kölle

Knorriges Gesicht im Olivenbaum von Ano Vouves

Foto: Martin Kölle

Vergil, Georgica – Vom Landbau, Buch 2, 420 – 425

Contra non ulla est oleis cultura: neque illae
procurvam exspectant falcem rastrosque tenacis,
cum semel haeserunt arvis aurasque tulerunt;
ipsa satis tellus, cum dente recluditur unco,
sufficit umorem et gravidas, cum vomere, fruges.
hoc pinguem et placitam Paci nutritor olivam.

 

Oliven jedoch brauchen keine Pflege und erwarten auch nicht die gekrümmte Sichel und feste Hacken, sobald sie einmal auf dem Feld festhaften und die Winde ertragen. Die Erde selbst gewährt, wenn sie mit zweizinkiger Hacke aufgelockert wird, genügend Feuchtigkeit und, wenn man sie pflügt, reiche Früchte. Und so hege man die fette Olive, den Liebling des Friedens!

 Übersetzung: Martin Kölle

Taube mit Ölzweig (Rom, Domitilla-Katakomben)
Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

MARK AUREL, ΤΑ ΕΙΣ ΕΑΥΤΟΝ – ZU SICH SELBST 4, 48

τὸ γὰρ ὅλον, κατιδεῖν ἀεὶ τὰ ἀνθρώπινα ὡς ἐφήμερα καὶ εὐτελῆ, καὶ ἐχθὲς μὲν μυξάριον, αὔριον δὲ τάριχος ἢ τέφρα. τὸ ἀκαριαῖον οὖν τοῦτο τοῦ χρόνου κατὰ φύσιν διελθεῖν καὶ ἵλεων καταλῦσαι, ὡς ἂν εἰ ἐλαία πέπειρος γενομένη ἔπιπτεν, εὐφημοῦσα τὴν ἐνεγκοῦσαν καὶ χάριν εἰδυῖα τῷ φύσαντι δένδρῳ.

Foto: Martin Kölle

 

Insgesamt sieh das Menschliche als etwas Eintägiges und Wertloses an, gestern noch im Saft, morgen schon Mumie und Asche. Durchwandere diese winzige Zeitspanne gemäß der Natur und ende heiter, wie wenn eine Olive, reif geworden, herabfiele, preisend den Boden, der sie trägt, und Dank wissend dem Baum, der sie hat anschwellen lassen.

Übersetzung: Martin Kölle

Olivenzweige, Fresko von Knossos, 1600 – 1500 (Iraklio, Arch. Mus.)
Foto: Martin Kölle

Thukydides 3, 49, 2f.

Aus einem Bericht des ersten bedeutenden Vertreters der europäischen Geschichtsschreibung Thukydides „Der Peloponnesische Krieg“ (431 – 404 v.Chr.)

Im 5. Jahr des Peloponnesischen Kriegs zwischen Athen und Sparta ist die Insel Lesbos mit der wichtigsten Stadt Mytilene vom attischen Seebund abgefallen, und deswegen wird in Athen deren Vernichtung beschlossen. Ein Kriegsschiff ist zur Vollstreckung der Exekution der verantwortlichen Aufständischen bereits unterwegs. Gegenstimmen aber haben sich inzwischen im Rat der Athener durchgesetzt, die Hinrichtung zu verhindern und eine friedliche Lösung anzustreben. Um die erste Entscheidung der Bestrafung rückgängig zu machen, schicken die Athener nun ein zweites Schiff nach Mytilene, und weil es gilt, der Order des ersten Schiffes zuvorzukommen, werden die Ruderer des nachfolgenden Schnellboots während der Fahrt mit Sondernahrung verpflegt.

Ἐκράτησε δὲ ἡ τοῦ Διοδότου. καὶ τριήρη εὐθὺς
ἄλλην ἀπέστελλον κατὰ σπουδήν, ὅπως μὴ
φθασάσης τῆς προτέρας εὕρωσι
διεφθαρμένην τὴν πόλιν. προεῖχε δὲ ἡμέρᾳ καὶ
νυκτὶ μάλιστα. παρασκευασάντων δὲ τῶν
Μυτιληναίων πρέσβεων τῇ νηὶ οἶνον καὶ
ἄλφιτα καὶ μεγάλα ὑποσχομένων, εἰ φθάσειαν,
ἐγένετο σπουδὴ τοῦ πλοῦ τοιαύτη
ὥστε ἤσθιόν τε ἅμα ἐλαύνοντες οἴνῳ καὶ
ἐλαίῳ ἄλφιτα πεφυραμένα, καὶ οἱ μὲν ὕπνον
ᾑροῦντο κατὰ μέρος, οἱ δὲ ἤλαυνον.

Die Meinung des Diodotos aber setzte sich durch. Und sofort schickten sie in aller Eile eine weitere Triere, damit sie nicht nach Ankunft des ersten Schiffes die Stadt vernichtet vorfinden müssten. Jenes aber war ihnen ungefähr einen Tag und eine Nacht voraus. Da nun die Abgesandten der Mytilener für die Besatzung Wein und Mehl beigebracht und große Versprechungen gemacht hatten, sofern sie ihnen zuvorkämen, entwickelte sich auf dem Schiff ein solcher Eifer, dass sie sogar während der Fahrt aßen, Mehl mit Wein und Öl vermischt, und in Schichten schliefen, während die anderen ruderten.

Vorspann und Übersetzung: Michael Hornberger

Foto eines Abgusses einer attischen Triere (Cambridge)

Die Olympias, Nachbau einer athenischen Triere mit
englischer Rudermannschaft

Altes Testament, Psalm 104, 14 bis 18

14  Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
15  dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.
16  Die Bäume des Herrn stehen voll Saft, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.
17  Dort nisten die Vögel, und die Störche wohnen in den Wipfeln.
18  Die hohen Berge geben dem Steinbock Zuflucht und die Felsklüfte dem Klippdachs.           


Übersetzung: Lutherbibel 2017

Minoisches Steinrhyton aus Zakros (Kreta) mit Steinböcken
und Gipfelheiligtum (1500-1450) (Iraklio, Arch. Mus.)
Foto: Martin Kölle

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